Gestaltung und Prozesse
20181008----EG-2018_201608_31_DSC08814_1800px.jpg

Nachrichten aus dem Pazifik/

Aufmerksamkeit für den Schutz der Demokratie

IMG_3593.JPG

Die Verteidigung der Demokratie scheint in unseren Zeiten aktueller denn je. Allenthalben wird das, was viele von uns als Selbstverständlichkeit nehmen, von meist männlichen Politikern torpediert. Riskantes Spiel, Die Lust der Autokraten, Der Populismus formiert sich neu – das sind Schlagzeilen, an die wir uns gerade gewöhnen. 

Der Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hat sich seit den frühen 1920er Jahren als Schutzorganisation für die Weimarer Demokratie verstanden. Gegründet von der Weimarer Koalition aus SPD, katholischem Zentrum (ein Vorgänger der CDU) und von der liberalen DDP, war der Reichsbanner eine Massenorganisation. Die wohl größte vergessene der Weimarer Republik. Sie diente dem Schutz der gerade ein paar Jahre jungen Weimarer Demokratie gegen ihre radikalen Feinde. 

Acht Jahre lang bis 1932 verhinderten die etwa 2 Millionen Mitglieder (nach Eigenangaben sogar 3,5 Millionen, Historiker*innen sind etwas zurückhaltender in den Schätzungen), dass die Nazis die absolute Macht erlangten. Als Hindenburg 1932 den Reichstag auflöst, will die Basis des Reichsbanners den Generalstreik, die Führung jedoch verwehrt sich. Ein gutes halbes Jahr später ist Hitler Reichskanzler. (Mit der Differenz zwischen Parteibasis und Spitze haben wir es ja hin und wieder zu tun.)

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ist ein heute irritierender Begriff. Dass die Flagge Deutschlands – seit dem Mittelalter war der Begriff Reich üblich – als Reichsbanner tituliert wurde, war unstrittig. In der Tradition des Hambacher Fests steht sie als Symbol für Einheit, Freiheit und Volkssouveränität.

Mit dem Begriff Reichsbanner können die wenigsten etwas anfangen. Eine zeitgenössische Form von Gedenktafeln soll daher an die Massenorganisation erinnern. Dazu lobt die Gedenkstätte Deutscher Widerstand einen Wettbewerb unter Studierenden der Burg Giebichenstein unter Leitung von Anna Berkenbusch aus.

Die Jury aus Sachverständigen und Fach- und Sachpreisrichter*innen – darunter Fabian Hickethier von BAR PACIFICO/ – versucht eine gute Arbeitssituation zu schaffen und strebt eine kooperative Auslobung des Wettbewerbs an: In mehreren Kolloquien – Titelbild: Einführungskolloquium im Frühjahr – werden gemeinsam mit den Teilnehmenden Lösungsansätze diskutiert, bevor diese weiter bearbeitet werden. So sollen trotz Wettbewerb ausreichende Austauschmöglichkeiten zwischen Auftraggeber*innen und Teilnehmenden ermöglicht werden. 

Am Tag nach dem Einführungskolloquium fand auf dem Friedhof am Columbiadamm eine Gedenkveranstaltung anlässlich der Ermordung Erich Schulz’ am 25. April 1925 statt. Am Abend wurde eine Wanderausstellung in den Räumen der Gedenkstätte Deutscher Widerstand eröffnet. Im Sommer wurden drei Entwürfe mit drei Preisen bedacht, von denen einer für die Realisierung empfohlen wurde. Die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand rechnet mit einer zügigen Umsetzung der ersten beiden Tafeln, da sie nicht an die Genehmigungen von privaten Grundbesitzer*innen gebunden sind.

 Mitglieder des Preisgerichts, von links: Reichsbanner-Geschäftsführer Lucas Koppehl, GDW-Historikerin Marion Goers, Prof. em. Bernhard Stein der Kunsthochschule Kassel und GDW-Projektkoordinatorin Aline Graupner.

Mitglieder des Preisgerichts, von links: Reichsbanner-Geschäftsführer Lucas Koppehl, GDW-Historikerin Marion Goers, Prof. em. Bernhard Stein der Kunsthochschule Kassel und GDW-Projektkoordinatorin Aline Graupner.

 Einführungskolloquium mit Koppehl, Goers und Studierenden der Burg Giebichenstein in den Räumen der Dauerausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Einführungskolloquium mit Koppehl, Goers und Studierenden der Burg Giebichenstein in den Räumen der Dauerausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

 Gedenkveranstaltung anlässlich der Ermordung Erich Schulz’ auf dem Friedhof am Berliner Columbiadamm mit Reichsbanner-Vorsitzenden, MdB und Sprecher des Seeheimer Kreises Johannes Kahrs.

Gedenkveranstaltung anlässlich der Ermordung Erich Schulz’ auf dem Friedhof am Berliner Columbiadamm mit Reichsbanner-Vorsitzenden, MdB und Sprecher des Seeheimer Kreises Johannes Kahrs.

 Kahrs, Prof. Dr. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und Berliner Innensenator Andreas Geisel bei der Gedenkveranstaltung am 25. April 2018.

Kahrs, Prof. Dr. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und Berliner Innensenator Andreas Geisel bei der Gedenkveranstaltung am 25. April 2018.

 Die am Wettbewerb teilnehmenden Studierenden am Grab des 1925 ermordeten »Kameraden« Erich Schulz des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold mit Koppehl.

Die am Wettbewerb teilnehmenden Studierenden am Grab des 1925 ermordeten »Kameraden« Erich Schulz des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold mit Koppehl.

 Grab des 1925 von Mitgliedern des reaktionären Wehrverbandes »Stahlhelm« ermordeten Lagerarbeiters Erich Schulz. 

Grab des 1925 von Mitgliedern des reaktionären Wehrverbandes »Stahlhelm« ermordeten Lagerarbeiters Erich Schulz.